Objekt des Monats Juli
Ehrenabzeichen der Weltausstellung 1904
Im Jahre 1904 trat Wilhelm Ostwald (1832–1932) seine zweite Reise in die USA an. Er wurde als Redner zum Congress of Art and Science auf der Weltausstellung in St. Louis eingeladen. Besonders stolz war Ostwald darauf als Philosoph geladen worden zu sein und nicht als Chemiker. Gut 20 Jahre nachdem er die Physikalische Chemie mit aus der Taufe gehoben hatte, hatte sich Ostwald immer mehr vom Universitätsalltag der Physikalischen Chemie entfremdet und plante die Aufgabe seiner Universitätsstellung, um als freier Forscher seinen philosophischen Neigungen nachgehen zu können.
In St. Louis sprach Ostwald am 22.09.1904 denn auch als Philosoph in der Sektion der Methodik der Wissenschaften über die „Theorie der Wissenschaften“. Er hatte sich damit von den drei Vätern der Physikalischen Chemie – Jacobus Henricus van’t Hoff, Svante Arrhenius und Wilhelm Ostwald, die alle zum Congress geladen worden waren – am weitesten von seinen Ursprüngen entfernt. Van’t Hoff sprach am selben Tag in der Sektion Physikalische Chemie über „Die Beziehungen der Physikalischen Chemie zur Physik und Chemie“ sowie Arrhenius in der Sektion für Kosmische Physik über „Die Beziehung der Meteorologie zu anderen Wissenschaften“.
In seiner Autobiografie beschreibt Ostwald, dass die geladenen Wissenschaftler beim Congress größtenteils unter sich blieben. Sein eigener Vortrag wurde von der „energisch lärmenden Musikkapelle“ einer Militärparade gestört. Die Redner bekamen einen Orden überreicht, der sich in der Sammlung des Wilhelm Ostwald Parks erhalten hat. Es handelt sich um eine Metallscheibe an einem mehrfarbig gestreiften Band mit Ansteckschnalle. Der Medaille ist das Abbild der Römischen Friedensgöttin Pax und die Inschrift „Universal Exposition commemorating the Louisiana Purchase 1803, St. Louis USA 1904.“ aufgeprägt. Ansteckschnalle und Band spezifizieren den International Congress of Art and Science.
Auch wenn die Publikumswirksamkeit von Ostwald als gering betrachtet wurde, empfand er den Austausch mit den anwesenden Forschern als anregend, der „im Garten des „Deutschen Hauses", wo der Ausschank Münchener Bieres eine Anzahl Kollegen, nicht nur Deutsche, angezogen hatte“, stattfand. „Was Männer solcher Art sich in einer Viertelstunde zu sagen wissen, kann gute Früchte auf Jahre und Jahrzehnte hinaus tragen.“
„Ich regte an, daß in schöner Gegend, am besten am Ufer des Meeres oder eines großen Sees eine unentgeltliche Unterkunft, übrigens schlichter Art, vorgesehen werden sollte, zu der alljährlich hervorragende Männer und Frauen (doch mit Ausschluß der Künstler, für die das nicht geeignet ist) eingeladen werden sollten, um im freien, ungezwungenen Verkehr sich gegenseitig zu fördern. Vielleicht findet heute, wo so viel Zerrissenes in der allgemein menschlichen Kulturarbeit zu heilen ist, dieser Gedanke besseren Widerhall. […] Aber schließlich sind die Kosten eines solchen Unternehmens nicht besonders hoch. Denn rechnet man 10 Mark Pension je Tag und Kopf, so können mit 14 000 Mark jährlich je 50 große Männer und Frauen auf vier Wochen im Sommer in ersprießliche und friedenbringende Wechselwirkung gebracht werden. Überlegt man, daß von allen Gebieten der Kultur die Wissenschaft dem Ideal der Vereinigung aller Völker am nächsten gekommen war […] so erkennt man, daß mit der Ausführung jenes Plans heute ein ganz besonderer Segen verbunden sein könnte.“
Quellen: Wilhelm Ostwald: Lebenslinien, zweiter Teil, Klasing, 1927. Howard J Rogers: Congress of Arts and Science Universal Exposition St. Louis 1904, Houghton Mifflin & Co., 1905.