Objekt des Monats März
Das Farb-Terzettspiel
Wilhelm Ostwald beschäftigte sich ab 1914 mit der Ordnung der bunten und unbunten Farben. Die bunten Farben ordnete Ostwald in Farbkreisen an und gelangte überdies zu Erkenntnissen hinsichtlich der Harmonie der Farben. Der Farbkreis besteht aus den 8 Hauptfarben Gelb, Kress, Rot, Veil, Ultramarinblau, Eisblau, Seegrün und Laubgrün mit jeweils drei Abstufungen, woraus sich 24 Farbtöne ergeben.
Die Anwendungsmöglichkeiten der Ostwaldschen Farben- und Harmonielehre waren vielfältig. Um diese in möglichst großem Umfange zu nutzen, bedarf es, so Ostwald, einer ästhetischen (Aus-)Bildung. Besonders geeignet befand er die Phase des frühen Kindergartenalters, in welchem das Sortieren geliebt wird, das Farbverständnis Gestalt annimmt und das Erfassen unterschiedlicher Farbtöne ein kurzweiliges Spiel ist. So fanden die Ergebnisse von Ostwalds Farbforschungen Eingang in die frühkindliche Bildung in Form von Spielen wie dem Farb-Terzettspiel.
Das Spiel besteht aus einer rechteckigen, stabilen Kartonschachtel mit separatem Deckel. Diesen ziert ein Etikett über die ganze Fläche in den Farben Rot und Beige. Auf der Innenseite des Deckels findet sich eingeklebt die Spielanleitung. Der untere Teil der Schachtel verfügt über eine aufklappbare Vorderseite, so dass der Inhalt in Form von 48 länglichen Karten aus schwarzem Karton bequem entnommen werden kann. Auf 24 Karten befinden sich drei farbige Punkte in den Farben des Ostwaldschen Farbkreises, auf weiteren 24 Karten jeweils nur ein farbiger Punkt. Während die Karten mit einem Punkt eher für Fortgeschrittene, oder besser, für Kenner des Ostwaldschen Farbkreises gedacht sind, dienen die anderen dem Zuordnen der Farbabstufungen. Es gilt die jeweils drei Farbstufen von Gelb, Kress, Rot, Veil, Ultramarinblau, Eisblau, Seegrün und Laubgrün zu finden. Wie bei einem Quartettspiel wird reihum gezogen und das Terzett, wenn vollständig, beiseitegelegt. Wer zuerst keine Karten mehr hat, hat gewonnen.
Das Spiel wurde vom Pestalozzi-Fröbel-Verlag, Leipzig für die Verwendung in Kindergärten veröffentlicht. Dieser hatte Ende der 1920er-Jahre bei Ostwald bezüglich der Herstellung von Buntpapierscheiben angefragt. Publikationen des Pestalozzi-Fröbel-Verlags sind bis etwa 1940 nachvollziehbar.
Friedrich Fröbel (1782 – 1852), der „Erfinder“ des Kindergartens, hatte das sogenannte Spielgabensystem mit Würfeln, Bällen, Walzen, Legeplättchen und vielem anderen mehr entwickelt. Er erkannte, dass die Bildung des Kindes vor allem über das Spiel erfolgt und die Sinne durch vielfältige Beschäftigungsmaterialien gefördert und gefordert werden. Das Kind muss in seiner Einzigartigkeit anerkannt werden, das zum Erforschen seiner Umwelt ermutigt wird. Der Antrieb dieses Forschens ist von Natur aus in jedem Kind angelegt, diese Neugier sollte auf jeden Fall von Erwachsenen unterstützt werden. Ähnliches hat auch Wilhelm Ostwald geäußert, als er Fröbels Erkenntnisse der kindlichen Psychologie in seiner Publikation „Wider das Schulelend“ (1909, S. 16ff.) zitierte. Es wird ihn gefreut haben, dass seine Farblehre praktische Anwendung im Konzept der frühkindlichen Bildung nach Fröbels Vorbild fand.
Karton: 135 × 145 × 40 mm
Karten: 64 × 120 mm
Quellen: Ostwald, Wilhelm (1921) Die Farben im Kindergarten in: Kindergarten Zeitschrift des Deutschen Fröbel-Verbandes, 62. Jg. S. 59 – 63
Ostwald, Wilhelm (1922) Die Lieblingsfarben der Kinder in: Die Farbe Sammelschrift für alle Zweige der Farbkunde, Nr. 24 Ostwald, Wilhelm (1921)
Das geniale Alter in: Die Farbe Sammelschrift für alle Zweige der Farbkunde, Nr. 22 Ostwald, Wilhelm (1909). Wider das Schulelend. Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H. Leipzig.