Objekt des Monats Januar
Historisches und critisches Wörterbuch von 1741
Das „historische und critische Wörterbuch“ ist die deutsche Übersetzung des französischen „Dictionnaire historique et critique“ von Pierre Bayle (1647–1706). Die deutsche Ausgabe erschien in vier Bänden zwischen 1741 und 1744 in Leipzig im Verlag Breitkopf. Johann Christoph Gottsched (1700–1766) war Leiter des Übersetzungsprojekts und bekannt als einflussreicher Theoretiker und Vermittler der Frühaufklärung in Deutschland. Die deutsche Übersetzung zum „historischen und critischen Wörterbuch“ wurde teils von Gottsched selbst, aber auch von seiner Frau Luise Gottsched (1713–1762) sowie weiteren Mitarbeitern seines sogenannten „Kreises“ erstellt. Die deutsche Edition war bibliografisch wichtig, da sie das akkumulierte Wissen einem größeren deutschen Leserkreis verfügbar machte, allerdings in einer bearbeiteten, teils entschärften Form. Gottsched verfasste das Vorwort und Anmerkungen, besonders für Stellen, die er als „anstößig“ betrachtete.
Piere Bayle war ein französischer Philosoph und Schriftsteller, das Wörterbuch war sein Hauptwerk. Die zunächst zweibändige Originalausgabe erschien 1694/1697 in Rotterdam auf Französisch. Es wurde als „Bibel der Aufklärung“ bezeichnet und bereits kurz nach Erscheinen durch die Zensur verboten. Bei ihm handelte sich um ein großes Nachschlagewerk mit mehr als 2000 alphabetischen Artikeln zu Personen, historischen Begriffen, religiösen und philosophischen Themen, welche durch kritische Kommentare und Anmerkungen bekannt wurden. Es stellteeine Art Gegenentwurf zu früheren historischen Lexika dar, weniger eine „Sammelchronik“, eher eine kritische Überprüfung von Quellen. Das Werk gilt als prägend für die Entwicklung und Förderung skeptischen Denkens und als Vorläufer der philosophischen Aufklärung. Bayles Wörterbuch ist nicht, wie der Titel nahelegen könnte, auf den Bereich der Geschichte oder der Philosophie begrenzt, sondern umfasst die Geisteswissenschaften und ist unserem heutigen Sprachgebrauch nach interdisziplinär angelegt.
Die deutsche Ausgabe des „historischen und critischen Wörterbuchs“ erschien zirka 50 Jahre nach dem Original von 1741 bis 1744 in vier Folio-Bänden, welche zwischen 727 und 957 Seiten umfassen.
Foliobände oder auch Folianten sind großformatige Bücher, die aus der Faltung eines einzelnen großen Papier- oder Pergamentbogens, dem sogenannten Folium resultieren, wodurch jede Seite (Folie) die Hälfte der ursprünglichen Bogenbreite hat und die höchstmögliche Seitengröße erreicht wird. Sie sind historisch bedeutsam, oft von hohem Wert und kennzeichnen ein traditionelles Buchformat, welches sich durch große, prachtvolle Seiten auszeichnet, wie sie in alten Enzyklopädien oder Kunstbüchern zu finden sind. Auch in unseren Exemplaren sind auf einigen Seiten Portraits von Persönlichkeiten oder Tierdarstellungen und Ornamente zu sehen. In dieser Zeit verwendete man für solche Illustrationen gern Kupferstiche, welche separat auf anderes Papier gedruckt und später eingebunden wurden. Auf der jeweils ersten Seite ist die Darstellung eines Fabelwesens in einer fiktiven Landschaft. Die vier Teile des Wörterbuches sind in Leder gebunden. Zeittypisch wurde dafür oft Ziegen- oder Kalbsleder verwendet, weil sich dieses sich gut verarbeiten und färben ließen.
Maße Wörterbücher je: 38,8 × 26 × 6 cm
Quellen: Historisches und kritisches Wörterbuch: Eine Auswahl; Übersetzt und herausgegeben von Günter Gawlick und Lothar Kreimendahl, Philosophische Bibliothek, Band 542, 2003