Objekt des Monats Sepember
Schreibmappe Wilhelm Ostwald
Eine korallenrote Schreibmappe mit diversem Zubehör gehört zum Nachlass von Wilhelm Ostwald (1853 – 1932). Der Chemiker und Chemienobelpreisträger hat zeit seines Lebens dienstlich sowie privat zahlreiche Postkarten und Briefe verfasst. Die verschließbare Schreibmappe kann sowohl im heimischen Büro als auch auf Reisen benutzt worden sein. Tochter Grete Ostwald schrieb dazu: "Die Post kam zwischen 9 und 10 und hatte zuerst eine Kontrolle bei Frau Geheimrat zu passieren, ehe sie in das sogenannte Postzimmer, das Morgensonnenzimmer gelegt wurde. Mein Vater ging sie erst ansehen, wenn er Lust dazu hatte und erledigte und ließ sie auch in diesem Arbeitsraum, der im Sommer durch die offene Veranda erweitert war, von der man weit übers Land sah."
Im aufgeklappten Zustand verfügt die Schreibmappe über sechs teils fächerartige Einschubfächer für Briefe, Papier, Kuverts und anderes. Mittig im Falz angeordnet sind drei Schlaufen, in denen ein Brieföffner in Form eines Schwerts und ein weiterer Brieföffner mit einem Griff aus Perlmutt eingesteckt sind, außerdem ein roter Bleistift mit Metallkappe. Auf der linken Innenseite der Schreibmappe ist ein rotes Kästchen samt Siegellack platziert, daneben der zugehörige Siegelstempel aus Holz mit den Initialen WO – für Wilhelm Ostwald. Ein kleines Tintenfass aus Metall gehört ebenso zur Ausstattung, die dazugehörige Schreibfeder fehlt. Das Tintenfass verfügt über einen doppelten Verschluss, so dass die Tinte nicht herauslaufen konnte. Auf der rechten Innenseite der Schreibmappe ist eine Notizkarte eingesteckt, die als „Merkkarte“ bezeichnet wird. Diese kann mehrmals benutzt werden, indem das Geschriebene wieder abgewaschen werden kann. Die Schreibmappe enthält außerdem ein separates rotes Heft mit Löschpapier sowie einen großen Bogen Löschpapier mit dem Wasserzeichen „Stempel-Lösch“. Zwei kleine Schlüssel sind vorhanden, um die Mappe zu verschließen. Das Material hat die Anmutung von Leder, ist aber vermutlich ein Leder-Ersatz-Stoff, der aus besonders geschichtetem und behandeltem Zellstoff besteht.
Später wurde die Schreibmappe von Helene Ostwald, der Ehefrau Wilhelm Ostwalds weiter benutzt. Vorgedruckte Blanko-Postkarten mit ihrem Namen sowie Postkarten mit dem Motiv Gekrönte Madonna von Albrecht Dürer zeugen davon. Helene Ostwald schreibt nach 50 Jahren an ihren Ehemann: "Weißt Du, daß es unser 50. Verlobungstag ist, an dem Du mir einst sagtest: Ich weiß wohl, daß Du ein Opfer der Wissenschaft werden wirst, aber ich halte Dich dessen für fähig. Diese Worte haben mich wie beglückende Sterne durch mein ganzes Leben begleitet."
Material: Leder-Ersatz-Stoff
Maße: Höhe 25cm, Breite zugeklappt 21cm, Breite aufgeklappt 42cm, Tiefe zugeklappt 4cm
Quellen:
Ostwald, Grete: Mein Vater, 1953
https://de.wikipedia.org/wiki/Pressstoff_(Kunstleder)